Anthroposophie

Rudolf Steiner wird in zunehmendem Maße von „inner-anthroposophischer“ Seite aus die Wissenschaftlichkeit aberkannt – Atlantis z.B. wird geradezu als „Paradebeispiel für Rudolf Steiners Unwissenschaftlichkeit“ hingestellt. Man möge verstehen, wie merkwürdig mich das berührt, habe ich doch nicht nur in den intensiven Jahren der Entstehung meiner Atlantis-Bände, sondern bereits Jahrzehnte vorher mich wahrlich gründlich bemüht, jeden kleinsten wissenschaftlichen Einwand gegen die Existenz von Atlantis genauestens zu prüfen – dabei ist mir Atlantis etliche Male untergegangen, umso gründlicher wissenschaftlich erhärtet allerdings auch wieder aufgestiegen. Von einer echten wissenschaftlichen Auseinandersetzung fand ich in den Rudolf Steiner die Wissenschaftlichkeit absprechenden Publikationen – z.B. in „Die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie“ von Jost Schieren (Professor für Waldorfpädagogik an der Alanus-Hochschule, Klassenmitglied und im Vorstand der deutschen Landesgesellschaft der AAG) – tatsächlich nicht die Spur; sie kamen allesamt aus dem Bauch.
Nun ist eine gründliche wissenschaftliche Überprüfung Rudolf Steiners nicht nur berechtigt, sondern wird von ihm selbst in aller Strenge gefordert. Solche Prüfung wird jedoch gar nicht geleistet; ich konstatiere bei den Steiner-Kritikern stattdessen eine Heiligsprechung anerkannter wissenschaftlicher Lehrmeinungen – oft ohne ausreichende Kenntnis derselben, wie ich an etlichen Beispielen feststellen musste – und der inquisitorischen Verdammung jeglicher abweichender Positionen.
Wenn Steiner aber – das geht bis in die höchsten Etagen des Vorstandes der AAG hinein – die Wissenschaftlichkeit abgesprochen wird, bleibt von der Anthroposophie nichts übrig, sie verkommt dann zum bloßen Glauben, zur Sonntagspredigt – und das ist sie auch geworden: ihre ungeheure Gesellschafts- und Lebens-verändernde Kraft, mit der sie seinerzeit angetreten war, ist sie mittlerweile dabei, vollständig zu verlieren. Besonders verheerende Folgen hat die „Verunwissenschaftlichung Rudolf Steiners“ natürlich für die Waldorfpädagogik, also für die Kinder – eine pädagogische Katastrophe allererster Güte.
Um diese Dinge und darum, die Frage nach der Wissenschaftlichkeit Rudolf Steiners so zu stellen, dass sie der Anthroposophie gerecht wird, geht es in meiner Streitschrift „Wer ist hier unwissenschaftlich – Rudolf Steiner?!

Nach dieser Streitschrift erschien ein Buch, welches ich in gewisser Weise – trotz Atlantis, trotz „Neue Musik und Anthroposophie“ – als mein „Hauptwerk“ ansehen muss: „Das Ereignis Rudolf Steiner im Lebenswerk von Sigurd Böhm und Judith von Halle“, welches mit den Worten beginnt: „Dieses Buch wird nur verstehen, wer selber unheilbar von Anthroposophie infiziert ist – jeder Nicht-Infizierte wird es nach kurzem Hineinschnuppern bestenfalls kopfschüttelnd weglegen oder als Beispiel und gefundenes Fressen für „anthroposophischen Irrsinn“ anprangern.“

Die Aufsätze in dieser Abteilung „Anthroposophie“ sind alles Ausschnitte aus meiner Streitschrift, aus „Das Ereignis Rudolf Steiner...“ sowie aus meinem 68er-Buch „...Ich meine die Revolution des Bewusstseins schlechthin...“, in dem ich u.a. meine Begegnung als 68er mit der Anthroposophie beschreibe, durch welche „mein 68er-Impuls bis heute heiß geblieben ist“.