Begegnung europäischer u. außereuropäischer Musik

„IMPRESSIONISMUS“ – in dem erweiterten und unüblichen Sinne, wie ich dieser Begriff hier gebrauche – das ist: Musik der Landschaft, der Natur, der Elementargeister. Jede Landschaft und Naturstimmung drückt sich anders aus (hier die Situation vom Anfang des 20. Jahrhunderts; später mischt sich viel stärker noch das außereuropoäische Element hinein):
• Frankreich und die mediterrane Landschaft in der Musik von Debussy und Ravel,
• das Erwachen des russischen Frühlings in Strawinskys „Sacre du printemps",
• die nordische Landschaft in Grieg und Sibelius,
• das ungarische und rumänische Element in Bartók und Kodaly,
• Spanien und Lateinamerika in der ganzen Reihe der „Gitarren-Komponisten" von De Falla bis Villa Lobos.

Finnland SINGT in Sibelius, Frankreich in Debussy, Ungarn in Bartók und Russland im „Sacre" und „Petruschka“. Durch diese Komponisten besingt die Landschaft sich selbst. Die atonale Strömung dagegen – also das, was jetzt in einer Verengung des üblichen Begriffs als „Expressionismus” noch übrigbleibt –, hat nichts mit der Landschaft oder Natur zu tun, sondern ist innerstes menschliches Ringen – aber durchgestoßen zur Objektivität, zum Kosmos (Tierkreis). Es ist die Sphäre eines „Denkens auf Leben und Tod“ wie in Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“. Expressionismus (im hier gebrauchten engeren Sinne) ist glühendheiß-eiskalt, Impressionismus dagegen leuchtend farbig...

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