Ein musikalisches Koan

Nähert man sich vielleicht auf der Suche nach der Urmusik derselben Sache von "außen", der man sich durch das Nadelöhr des Einzeltones von "innen" nähert? Besteht darin eines der Geheimnisse der Neuen Musik, auf deren auseinanderlaufende Strömungen man sonst nur mit einer gewissen Hilflosigkeit schauen kann? Liegt vielleicht eine große Polarität in der Moderne, die Polarität eines „Anton-Webern-" ("...ich wollte den TON zu SICH SELBER bringen...") und eines „Béla-Bartók-Weges“?

»Steiner hat bereits Anfang der Zwanziger Jahre in seinen Dornacher Vorträgen beschrieben, dass in einem einzelnen Ton ein ganzer musikalischer Kosmos schwingen könne. Die meisten Menschen haben das erst Jahre später durch den Jazz erfahren – durch Musiker wie Louis Armstrong und natürlich durch die großen Saxophonisten Johnny Hodges, Coleman Hawkins, Ben Webster...
     Was da alles in einem einzigen Ton lebt! Kein Jazzkritiker hat das je so exakt gekennzeichnet wie Rudolf Steiner Anfang der Zwanziger Jahre – lange vor dem Jazz. Jeder einzelne Ton ist ein Symbol aller Töne des Universums; wie die Perle des Gottes Indra alle Perlen enthält.
     Die ganze heutige Musik hat ihr Ton- und Klangbewusstsein durch den Jazz gefunden, aber Rudolf Steiner wusste davon schon lange vor dem Jazz.«
(Der „Jazzpapst“ Joachim Ernst Berendt in dem Interwiev „Höre, so lebt deine Seele jetzt!“ in „Flensburger Hefte“ Nr. 19: „Musik“; Flensburg 1987)

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